27.04.2026
Vinzentinerinnen verlassen das Theresienkrankenhaus
Abschied von den Ordensschwestern
Die letzten vier am Mannheimer Theresienkrankenhaus tätigen Ordensschwestern wurden am Samstag im Rahmen eines feierlichen Gottesdienstes und anschließenden Empfangs für enge Wegbegleitende verabschiedet. Damit endet nach 97 Jahren die Präsenz und das Engagement der Vinzentinerinnen am Theresienkrankenhaus.
Im Laufe der Woche
werden die Schwestern Maria-Erika Fischer, Schwester Erika Walter, Schwester
Marieta F. Joepgen und Konventoberin Schwester Walburgis Kiefer nach Freiburg
in das Mutterhaus des Ordens der Barmherzigen Schwestern des heiligen Vinzenz
von Paul zurückkehren, um dort ihren Ruhestand zu genießen, aber auch neue
Aufgaben innerhalb der Ordensgemeinschaft zu übernehmen.
Leben für das Theresienkrankenhaus
„Es ist
beeindruckend, was diese Ordensfrauen über die Jahrzehnte hinweg geleistet
haben“, so Dr. Ulrike Heesemann, Regionalleiterin Region
Tauberfranken-Hohenlohe und Mannheim: „wie bedeutungsvoll und prägend ihr Leben
und Wirken hier am Theresienkrankenhaus für Generationen von Menschen war. Wir
können nur Danke sagen, was dieser Lebensleistung aber kaum gerecht werden
kann“.
Die Schwestern
haben den Charakter des christlichen Krankenhauses geprägt und sind
Zeitzeuginnen des Wandels der Krankenhausversorgung. Die Vinzentinerinnen waren
stets in allen Bereichen des Krankenhauses tätig: in der Pflege, im OP, in der
Küche, der Verwaltung, der Kleiderausgabe und vielem mehr. Zu Hochzeiten waren
es bis zu 130 Ordensfrauen, die im Theresienkrankenhaus gelebt und gearbeitet
haben.
Wie der frühere
TKH-Direktor Kurt Hipp es einmal formulierte: „Wenn eine Ordensschwester geht,
muss ich dafür drei weltliche Arbeitskräfte einstellen“. So konkretisierte es
auch Schwester Marieta, eine der Schwestern die verabschiedet wurden: „Wenn wir
im Haus waren, waren wir in Rufbereitschaft. Sobald es irgendwo etwas zu tun
gab, sind wir hin und haben geholfen“. Wenn doch etwas Zeit blieb, dann wurde diese
genutzt, um Arztkittel zu stopfen, OP-Handschuhe zu pudern oder sich
weiterzubilden. „Das, was die Ordensschwestern für dieses Haus getan haben, ist
kaum zu ermessen“, sagt Christian Klehr, der als Mitarbeiter auf mehr als 15
gemeinsame Jahre zurückblicken darf: „Wir können uns nur verneigen und dafür
bedanken, was die Ordensschwestern hier für die Mannheimer Patient*innen, die
Mitarbeitenden und für die gesamte Stadtgesellschaft getan haben.“
Vier unterschiedliche Leben – um zu dienen
So ist es allen voran Konventoberin Schwester Walburgis, die vielen
Menschen in Mannheim in Erinnerung bleiben wird. Im Mai 1963 kam sie ans
Theresienkrankenhaus, machte hier ihre Ausbildung zur Krankenschwester und
arbeite auf Stationen und im OP. Sie bildete sich weiter, wurde
Unterrichtsschwester und Fachkraft für Hygiene – als eine der ersten in der
Region. Nach dem Tod von Konventoberin Ludovika übernahm Schwester Walburgis
diese Aufgabe und später noch viel mehr. Zusammen mit den Verwaltungsdirektoren
vertrat sie die Interessen des Krankenhauses. „Ich war immer Mädchen für
alles“, sagt die 84jährige. So wird sie vielen Mitarbeitenden und Patienten in
Erinnerung bleiben: Immer da, wo sie gebraucht wurde, immer bestens informiert,
stets zurückhaltend und doch immer sprachfähig, immer mit offenem Ohr und einem
guten Wort für ihre Mitmenschen.
Tief in Mannheim
verwurzelt ist die 78jährige Schwester Marieta, die zuletzt in der
Krankenhausseelsorge tätig war. Sie ist hier aufgewachsen und hatte als Kind
bereits Kontakt zum TKH, da ihre Mutter hier gearbeitet hatte. Sie machte eine
Ausbildung zur Krankenschwester, später eine Weiterbildung in Anästhesiepflege.
1966 trat sie in den Orden ein. Sie arbeitete unter anderem als Ausbilderin am
TKH und am Heidelberger St. Josefskrankenhaus und kam immer wieder nach
Mannheim zurück. 1990 begann sie ihre Tätigkeit in der Seelsorge. „Wir waren
hier zuhause“, sagt sie und fügt hinzu: „Am meisten werde ich die direkte Art
der Mannheimer vermissen“.
Auch kulinarisch
wird es Einschnitte geben, wenn die Ordensschwestern gehen. Denn in der Küche
war die 88jährige Schwester Erika zuhause. Ursprünglich aus dem Kinzigtal kam
sie in den 60er Jahren nach Mannheim und absolvierte 1967 am
Theresienkrankenhaus die Ausbildung zur Diätassistentin. In den 70ern kochte
sie mit nur fünf anderen Mitschwestern das Essen für alle Patienten und die
Belegschaft. Bis zuletzt fand man sie in der Küche, wo sie in den letzten
Jahren vorwiegend Kuchen gebacken hat, die im TKH überall gerne gesehen waren.
Die 86jährige
Schwester Maria-Erika ist die vierte Ordensfrau, die zurück nach Freiburg
wechselt. Sie war in den 70er Jahren ursprünglich im Mutterhaus in Freiburg,
musste aber aus gesundheitlichen Gründen immer wieder als Patientin nach
Mannheim ans TKH. Irgendwann blieb sie hier und entdeckte ihre Vorliebe für
Stoffe aller Art. Deshalb arbeitete sie später vornehmlich in der
Kleiderausgabe. Mehr als tausend Mitarbeitende mit Dienstkleidung in dreifacher
Ausstattung – die Kleidungsstücke mussten gepflegt, gereinigt und gestopft
werden. Das lag in der Verantwortung von Schwester Maria-Erika.
„Wenn ich die
Schwestern nach den schönsten Erlebnissen frage, dann ist die Antwort: die
Feste und Feiern. Das gemeinsame Feiern was Ausdruck ihrer Haltung, von
Gemeinschaft sowie Lebensfreude und Dankbarkeit, auch und gerade dort, wo der
Alltag oft schwer war.“, so Kathrin Federmeyer, Direktorin Unternehmenskultur.
„Es sind jedoch die Begegnungen mit ihnen, die uns alle geprägt haben. Erleben
zu dürfen, mit welcher Selbstverständlichkeit Verantwortung übernommen wurde,
mit welcher Klarheit und Bescheidenheit. Ihre stille Präsenz hat vielen
Menschen Halt gegeben und Spuren hinterlassen, die uns auch in Zukunft leiten
werden“.
Worte des Dankes
Die Generaloberin des Ordens der
Barmherzigen Schwestern des heiligen Vinzenz von Paul Schwester Gertrudis
blickte in ihrer Ansprache zurück auf die Anfänge des TKH-Konvents und dessen
Wirken und Schaffen bis heute. Sie drückte ihren aufrichtigen Dank aus für eine
lange Zeit des herzlichen Miteinanders zwischen Mitarbeitenden und
Ordensschwestern aus: „Sie haben hier Großes geleistet“, sagte sie.
Regina Hertlein,
Vorstandsvorsitzende des Mannheimer Caritasverbandes, würdigte in ihrer Rede
das Engagement des Ordens für die Menschen. Sie bedauerte sehr, dass sich mit
den Vinzentinerinnen der letzte deutsche Ordenskonvent aus Mannheim
zurückzieht. Sie berichtete an konkreten Beispielen, wie liebevoll die Ordensschwestern ihren Dienst
getan haben: So erzählte sie davon wie der ehemalige Dekan Karl Jung als
Patient im Theresienkrankenhaus war und von einer Schwester mit einer Decke
versorgt wurde, damit er auf dem Weg in den OP nicht frieren musste. Oder wie
Schwester Walburgis jedes Jahr in mühevoller Kleinarbeit die Krippe in der
Kapelle aufgebaut hat. „Sie haben die Herzen in Mannheim zum Blühen gebracht.
Wir verneigen uns vor der ganzen Ordensgemeinschaft“, sagte Regina Hertlein –
gefolgt von lang anhaltendem Applaus der mehr als 300 Gäste.
Dr. Frank Zils,
Geschäftsführer der BBT-Gruppe, würdigte in seiner Ansprache das Wirken der
Schwestern: „Ihr Weggang ist ein schmerzlicher Einschnitt – verbunden mit
Trauer und Enttäuschung. Was aber bleibt ist der Auftrag, den Dienst am
Menschen als praktizierte Nächstenliebe weiterzuführen – Ihr Vermächtnis“.
Der Generalobere
der Barmherzigen Brüder von Maria-Hilf Peter Berg würdigte die Schwestern
abschließend: „Sie haben unheimlich viel aufgebaut in dieser Zeit, sie haben so
viel gewirkt und geschenkt für die Menschen dieser Stadt und darüber hinaus.
Was bleibt ist nicht nur die Erinnerung, sondern ein Werk, das sie geschaffen
haben. Wir sind Ihrem Erbe verpflichtet und dessen sind wir uns bewusst.
Geschichte der Vinzentinerinnen in Mannheim
Die Barmherzigen
Schwestern des Heiligen Vinzenz von Paul haben in Mannheim eine lange
Tradition: Bereits Kurfürst Carl Theodor berief im Jahr 1792 die ersten
Schwestern aus dem Elsaß nach Mannheim, um am damaligen Katholischen
Bürgerhospital kranke Menschen zu pflegen. Diese durften aus politischen
Gründen allerdings nur vier Jahre bleiben. 1889 vermachte die wohlhabende
Mannheimerin Theresia Müller ihr Haus in T5, 3 dem bischöflichen Ordinariat in
Freiburg mit der Auflage, dort eine Mädchenherberge mit dem Namen
„Theresiahaus“ und unter Leitung der barmherzigen Schwestern einzurichten. 1903
wurde dort zusätzlich eine Krankenstation mit 40 Betten eröffnet. Das „alte
Theresienkrankenhaus“ wurde aber schnell zu klein, weshalb sich die
Ordensleitung der Barmherzigen Schwestern in Freiburg dazu entschloss, ein
neues, zeitgemäßes und ausreichend großes Krankenhaus zu bauen. Am 15. Dezember
1929 läuteten zum ersten Mal die Glocken der Theresienkapelle, womit das
Theresienkrankenhaus offiziell eröffnet wurde. 70 Ordensschwestern und 70
Angestellte kümmerten sich damals um 345 Patienten. In den 70er Jahren waren
mehr als 130 Vincentinerinnen in der Krankenpflege tätig. Spätestens seit dem
Jahrtausendwechsel schrumpfte die Zahl der Schwestern am Theresienkrankenhaus
stetig, bis der Konvent zuletzt nur noch aus vier Ordensfrauen bestand. (ckl)


