19.02.2026
Rund 250 niedergelassene Ärztinnen und Ärzte aus Mannheim sind am Mittwoch der Einladung der Ärzteschaft Mannheim gefolgt, um die medizinische Versorgung in der Quadratestadt zu diskutieren.
Hintergrund ist die geplante Verlagerung des
Theresienkrankenhauses an das Diako zur Mitte des Jahres. Vertreter
sowohl aus dem Universitätsklinikum Mannheim als auch von der BBT-Gruppe sowie
der Leitstelle Mannheim legten dar, wie sich die Kliniken entwickeln und die
Notfallversorgung in Mannheim organisiert werden soll.
In seiner Begrüßung machte der Vorsitzende der Ärzteschaft
Mannheim, Dr. Christoph Janke, deutlich, dass die aktuelle Veränderung eine
große Herausforderung sei, die ein gemeinsames Handeln aller erfordere. Das
Zusammentreffen der beiden Zusammenschlüsse beider Mannheimer Krankenhäuser-
die Fusion des Universitätsklinikums Mannheim mit dem Universitätsklinikum
Heidelberg sowie die Zusammenlegung der beiden Standorte der BBT-Krankenhäuser
am Standort Diako brächten deutliche Veränderungen mit sich. Dies erfordere ein
gemeinsames Handeln, in das die gesamte Ärzteschaft in Mannheim mitgenommen
werden müsse. Er freue sich daher sehr, dass diese Veranstaltung gemeinsam mit
den beiden Mannheimer Gesundheitsversorgern, und der Stadt Mannheim so schnell
habe realisiert werden können und auch Vertreter der Landespolitik gekommen
seien, da sowohl Stadt als auch Land hier eine wichtige Rolle spielen. Die
große Beteiligung zeige, wie sehr der Ärzteschaft die Gesundheitsversorgung der
Mannheimer Bevölkerung am Herzen liege.
Darauf stellte der Ärztliche Direktor des
Universitätsklinikums Mannheim (UKMA), Prof. Dr. Maurice Stephan Michel vor,
wie sich der Verbund mit Heidelberg auf das Universitätsklinikum Mannheim
auswirkt. Der Ärztliche Direktor des Brüderklinikums Julia Lanz, Dr. Boris
Schumacher präsentierte, wie sich das Brüderklinikum am Standort Diako
entwickeln wird. Unter dem Punkt „Stationäre Notfallversorgung“ referierten Christoph
Scherer, Geschäftsführer der Integrierten Leitstelle Mannheim, Dr. Florian
Rehberger, Chefarzt des Integrierten Notfallzentrums am Universitätsklinikum
und Leitender Notarzt der Stadt Mannheim sowie Dr. Jochen Kotter, Chefarzt für Klinische
Akut- und Notfallmedizin am Brüderklinikum.
Veränderung der Patientenströme
„Das Universitätsklinikum ist sich seiner Verantwortung in
Bezug auf die medizinische Versorgung der Stadt Mannheim und der Region
bewusst. Wir bemühen uns sehr, im Verbund mit Heidelberg die wegfallenden
Fachgebiete aus dem Theresienkrankenhaus und dem Diako aufzufangen“, sagt der
Ärztliche Direktor des Universitätsklinikums Mannheim, Prof. Dr. Maurice
Stephan Michel. Es sei jedoch eine noch viel größere Herausforderung, die
Notfallversorgung der Stadt Mannheim neu zu strukturieren. Denn die
Zusammenlegung von Theresienkrankenhaus (TKH) und Diako an dem Standort des
Diako werde voraussichtlich zu einer Veränderung insbesondere derjenigen
Patient:innenströme führen, die nicht gesteuert über den Rettungsdienst oder
den zuweisenden Arzt kommen. „Wir alle, die Teil der Notfallversorgung sind,
müssen zukünftig noch besser und koordinierter zusammen arbeiten, um den
Patient:innen eine angemessene medizinische Versorgung zu ermöglichen“, so
Professor Michel. Das Diako brauche eine Notaufnahme, die räumlich und personell
in der Lage ist, die Notfallpatientinnen und -patienten von zwei Kliniken (TKH
und Diako) in künftig einer Klinik zu versorgen. Dabei seien vor allem
diejenigen Patientinnen und Patienten zu betrachten, die als sogenannte
Selbsteinweiser zu Fuß – also nicht über den Rettungsdienst oder durch die
behandelnden niedergelassenen Ärzte - in die Zentrale Notaufnahmen (ZNA)
kommen. „Da mit dem TKH ein Innenstadtkrankenhaus schließt, ist zu erwarten,
dass künftig eine größere Zahl an Selbsteinweisern in die ZNA des
Universitätsklinikums Mannheims kommen könnte. Eine Überlastung des
Universitätsklinikums gilt es in jedem Fall zu vermeiden“, betont der Ärztliche
Direktor des UKMA. Das Universitätsklinikum sollte laut Professor Michel schwerpunktmäßig
in der Zentralen Notaufnahme diejenigen Patienten versorgen, die auf Grund der
Schwere der Erkrankung der Behandlung einer Universitätsklinik bedürfen. „Ein
großer Teil der Patientinnen und Patienten, die fußläufig in die zentrale
Notaufnahme kommen oder von Angehörigen begleitet kommen, bedürfen häufig nicht
der Notaufnahme einer Universitätsklinik. Sie belasten aber die
Leistungsfähigkeit der Notaufnahme der Universitätsklinik für Schwerkranke“,
erläutert der Mediziner und sagt weiter: „Diese Patientinnen und Patienten
sorgen für überlange Wartezeiten, die sie oft selbst beklagen, denn vorrangig
werden immer medizinisch bedrohliche Notfälle behandelt.“
Niedergelassene als Teil der medizinischen
Akutversorgung wahrnehmen
Daher ist sei es wichtig, dass alle Einrichtungen im
Gesundheitssystem, auch die niedergelassenen Ärzte – Hausärzte und Fachärzte –
als Teil der medizinischen Akutversorgung von Patienten wahrgenommen werden. „Ein
relevanter Anteil der Krankheitsbilder, die wir bei den Selbsteinweisern in der
ZNA sehen, wäre bei einem Hausarzt oder niedergelassenen Facharzt gut
versorgt“, ist sich Professor Michel sicher.
Da aber auch das Universitätsklinikum Mannheim nicht alle
Patientinnen und Patienten, die von selbst kommen, stationär aufnehmen könne, sei
eine enge Abstimmung mit allen umliegenden Krankenhäusern notwendig. „Nur mit
einem gemeinsamen Schulterschluss und einem Verständnis für die gemeinsame
Verantwortung ist die Notfallversorgung, auch nach Wegfall des TKH, zu
kompensieren“, appelliert der Ärztliche Direktor des Universitätsklinikums.
Brüderklinikum sieht sich als verlässlichen
Partner
Indes bekennt sich das Brüderklinikum Julia Lanz klar und
dauerhaft zur umfassenden medizinischen Versorgung in der Region. Auch künftig
werde das Krankenhaus ein verlässlicher Partner in der Notfallversorgung sein –
mit klar strukturierten Zentren, einem konsequenten Fokus auf die Patientinnen
und Patienten sowie eingespielten, interdisziplinären Abläufen. Mit Hochdruck werde
derzeit die Weiterentwicklung des Standorts Diako vorangetrieben. Ziel sei es,
dort die gesamte Notfallversorgung an einer Stelle zu bündeln, welche bisher
auf das Theresienkrankenhaus und das Diako verteilt war. Ab Mitte 2026 würden
alle Notfallstrukturen am Standort an der Speyerer Straße zusammengeführt –
inklusive Herzkatheterlabor sowie einer deutlich erweiterten Notaufnahme in
einer Übergangslösung. „Dies können wir in den bestehenden Gebäudestrukturen
schnell umsetzen und benötigen dazu keine Bauanträge,“ freut sich Dr. Jochen
Kotter, Chefarzt des Zentrums für Klinische Akut- und Notfallmedizin am
Brüderklinikum Julia Lanz.
Notaufnahme am Diako soll deutlich vergrößert
werden
Geplant ist eine deutliche Vergrößerung der Zentralen
Notaufnahme (ZNA) am heutigen Diako. Damit werde die gesamte Leistungsfähigkeit
der bisherigen ZNAs des TKH und des Diako künftig an einem Standort vereint und
ausgebaut. Die radiologischen Leistungen blieben dabei selbstverständlich
vollumfänglich sichergestellt, mit der Radiologischen Praxis direkt vor Ort im
bewährten Kooperations-Konzept. Die neue Struktur sei auf rund 47.000
Patientenkontakte pro Jahr in der ZNA ausgerichtet. Optimierte und neu
strukturierte Patientenflüsse würden weiterhin eine qualitativ hochwertige und
effiziente Versorgung gewährleisten. Ab Mitte 2026 werde das Brüderklinikum
Julia Lanz alle Merkmale der strukturierten Notfallversorgung gemäß G-BA
(Erweiterte Notfallversorgung) erfüllen und damit seine zentrale Rolle in der
regionalen Versorgungsstruktur beibehalten. „Eine enge und vertrauensvolle
Zusammenarbeit mit niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten, dem Rettungsdienst
sowie der Integrierten Leitstelle Mannheim ist uns seit Jahren ein wichtiges
Anliegen“, betont der Ärztliche Direktor Dr. Boris Schumacher. Diese bewährte
Kooperation werde konsequent fortgeführt – künftig auch gemeinsam mit der UMM
in einer Task Force zur weiteren Optimierung der regionalen Notfallstrukturen.
Mit diesen Maßnahmen stelle Brüderklinikum Julia Lanz die Weichen für eine
leistungsstarke, zukunftsfähige und patientenzentrierte Notfallversorgung in
der Region.