20.05.2019
Ein Netzwerk gegen Knochenschwund

Niedergelassene Osteologen und Klinikärzte kämpfen ab sofort gemeinsam gegen Osteoporose
Irgendwann fordert das Alter seinen Tribut: Die Festigkeit der
Knochen nimmt ab, die Struktur wird poröse. Aktuell haben in Deutschland
schätzungsweise 5,2 Millionen Frauen und 1,1 Millionen Männer ab 50
Jahren eine Osteoporose. Jedes Jahr erkranken 885.000 Menschen in
Deutschland neu an Osteoporose, umgangssprachlich "Knochenschwund"
genannt. Weil diese Krankheit keine Schmerzen verursacht, wird sie
häufig nicht erkannt und deshalb auch nicht adäquat behandelt. Deshalb
haben sich niedergelassene Fachärzte und Klinikärzte Mitte Mai zum
Osteoporose-Netzwerk Rhein-Neckar zusammengeschlossen, um bei den
älteren Patienten mit Knochenbrüchen ein Osteoporose-Risiko feststellen
und gegebenenfalls eine präventive Weiterbehandlung einleiten zu können.
"Make the first fracture the last" - "Sorge dafür, dass die erste
Fraktur die letzte sein wird" heißt der Leitspruch des internationalen
Programms "FLS" (Fracture Liaison Service), das zahlreiche Maßnahmen zur
adäquaten Osteoporose-Vorbeugung und -behandlung bündelt. "Wir möchten
diese Ideen für die Rhein-Neckar-Region übernehmen und damit das Risiko
von Folgefrakturen für Patienten infolge von unentdeckter Osteoporose so
weit wie möglich vermindern", erläutert Dr. Dieter Schöffel vom
Mannheimer Schwerpunktzentrum für Osteologie. Als Initiator des
Netzwerks, zu dem derzeit mehr als 15 Ärzte aus der Region (darunter
auch die Chefärzte des Theresienkrankenhauses Prof. Dr. Gerald
Zimmermann sowie PD Dr. Oliver Diedrich)zählen, weiß er die
Unterstützung seiner Kollegen zu schätzen.
Gerade das Zusammenwirken von klinischen Ärzten und niederglassenen
Kollegen ist entscheidend für die Prophylaxe: Wird ein älterer Patient
mit einem Knochenbruch im Theresienkrankenhaus behandelt, so sind die
Ärzte angehalten, den Patienten über eine mögliche Osteoporose zu
infomieren und eine weitere Diagnostik zu empfehlen. Meist sind es sehr
typische Brüche, die auf Knochenschwund hindeuten, so zum Beispiel
Frakturen des Handgelenks, des Oberarmes, der Wirbelsäule und der Hüfte -
meist bei geringer Belastung beim Husten, Heben oder beim
Toilettengang. Nach Zustimmung des Patienten arbeiten Krankenhaus und
Praxis sofort zusammen. Die Information über den Osteoporose-Verdacht
wird weitergegeben und dem Patienten zeitnah nach Entlassung und Reha
ein Termin in einer Praxis angeboten, so dass die Folgebehandlung
nahtlos funktionieren kann. Dort wird mittels einer Knochendichtemessung
der Kalksalzgehalt des Knochens festgestellt. Liegt eine Osteoporose
vor, so kann man diese gut mit Medikamenten sowie ergänzend mit einer
Sturzprophylaxe behandeln. (ckl)


